Bitte entscheiden Sie sich! Das kann durchaus Stress erzeugen. Entweder so … oder doch lieber so …? Entscheidungsdilemmata zu lösen fällt meistens nicht leicht. Hilfreich ist es, strukturiert an die Sache heranzugehen und sich der Situation bewusst und lösungsorientiert zuzuwenden, indem man mögliche Konsequenzen unter die Lupe nimmt.

Wie oft treffen Sie täglich Entscheidungen? Viele der alltäglichen Entscheidungen treffen wir ganz unbewusst, andere ergreifen wir bewusst mit leichtem Herzen. Bei wieder anderen bleiben wir hängen und finden scheinbar keine gute Lösung.

Woran messen Sie eine „gute“ Lösung? Muss sie perfekt sein – obwohl wir wissen, dass es in Entscheidungssituationen kaum „die“ perfekte Lösung geben kann? Wir entscheiden uns für etwas und damit oftmals gleichzeitig gegen etwas. Denn jede Wahl hat einen Haken, auch wenn es (nur) der ist, nicht die jeweils andere Option und deren mutmaßliche Vorteile gewählt zu haben (Opportunitätskosten). Einen Verlust gilt es also auf jeden Fall zu verarbeiten – und wenn wir uns nicht entscheiden, sind es gleich zwei!

Das Geheimnis einer guten Entscheidung liegt darin ...

... einen inneren Frieden zu spüren, wenn wir uns in eine Entscheidungs-Richtung aufmachen. Denn wichtig wird später vor allem sein, sich der genauen guten Gründe zu erinnern, warum damals die Entscheidung so oder so gefallen ist. Gute Gründe helfen im Jetzt und für die spätere Rückschau.

Stecken Sie in einem Entscheidungsdilemma, befinden Sie sich wahrscheinlich mitten im Tunnel, in dem Sie nur ein Entweder-Oder wahrnehmen können. Um die eigene Entscheidungskompetenz zu entwickeln hilft das „out of the box“ denken, den Perspektivenhorizont zu erweitern und gleichzeitig das kreative Denken zu aktivieren.

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Vom Dilemma zum Tetralemma!

Eine sehr hilfreiche Methode aus dem systemischen Coaching, bzw. der Strukturaufstellungs-Arbeit ist das Tetralemma. Mit dieser Methode werden in fünf Schritten zunächst die anfänglichen Entscheidungswidersacher näher betrachtet. Schrittweise werden drei weitere, noch völlig unbedachte Optionen erarbeitet. Damit soll erreicht werden, eine möglichst objektive, mehrperspektivisch reflektierte Sicht auf die ursprünglichen Optionen zu erhalten und gleichzeitig dazu noch weitere, idealerweise kreative Alternativen zu entwickeln. Es wird angestrebt, unsere zumeist im Fokus stehende kognitive Ebene mit der emotionalen zu verknüpfen und auf das sich einstellende „Bauchgefühl“ zu achten. Vor diesem neuen, oder wenigstens facettierten Horizont sollte eine Entscheidung leichter zu treffen sein.

Das Tetralemma drückt ein logisches Argumentationsmuster aus: Neben den beiden offenkundigen Polen des Dilemmas gibt es noch eine Position „Beides“, die die Gemeinsamkeiten darstellt, und eine Position „Keines von beidem“, die die Zusammenhänge darstellt, die außerhalb des Dilemmas liegen und es möglicherweise bewirkt haben. Dazu kommt noch eine fünfte Position, die „Das alles nicht und selbst das nicht“ repräsentiert und sich damit über die bis dahin verfolgte Logik hinaus erhebt und häufig zum Kristallisationspunkt kreativer Ideen wird. Mit dieser Methode schaffen Sie einen klaren Überblick über Ihre Situation.

Und so geht’s!

Formulieren Sie als erstes das Thema und betrachten es nacheinander aus verschiedenen Perspektiven. Als Erstes werden die Vor- und Nachteile der beiden Möglichkeiten in den Positionen „Das eine“ und „Das andere“ formuliert, auch bekannt als Pro und Contra. Das führt zu mehr Klarheit.

Gehen Sie in die Reflexion und stellen sich folgende Fragen: Wie genau sehen die Entscheidungsmöglichkeiten aus? Welche Vorteile/Nachteile gibt es? Welche nahestehenden Personen sind involviert und haben ein Anliegen oder eine Bemerkung dazu? Welche guten Gründe für die Optionen gibt es, wenn die Entscheidung aus der Zukunft, z. B. 5 Jahren rückwärts betrachtet wird? Wie fühlt sich das an? Gibt es ein Symbol, das mit dieser Option verbunden wird?

Habe Sie diese Fragestellungen beleuchtet, stellen Sie diese einstweilen beiseite, um die nächste Frage zu beantworten: gibt es eine Möglichkeit diese beiden Optionen zu verbinden, zu kombinieren – oder einen Kompromiss zu finden? Auf den ersten Blick fällt dieser Schritt oft nicht leicht, es lohnt sich jedoch, hier genauer hinzudenken und sich die Fragen zu beantworten, die Sie sich bereits bei den ersten beiden Stationen beantwortet haben. In der Position „Beides“ kann nun herausgefunden werden, dass die eine Entscheidung nicht unbedingt die andere ausschließt, was neue Wahlmöglichkeiten ergeben kann.

Dann verlassen Sie auch diese Station und durchdenken eine weitere (vielleicht auch verrückt erscheinende) vierte Entscheidungsmöglichkeit: eine Option, die sich also völlig von den vorherigen unterscheidet. „Keine von beiden“ ist mit dem Suchen und Nachdenken verbunden – auch hier können neue Möglichkeiten entstehen. Nutzen Sie wieder die Reflexionsfragen Das Interessante an diesem Schritt ist die Türe in einen anderen „Möglichkeitsraum“.

Um der Kreativität noch weiteren Raum zu geben, nutzen Sie die letzte Options-Runde: „All das nicht und selbst das nicht“. Wenn Sie also alle bisher durchdachten Möglichkeiten betrachten und diese alle beiseitelassen: Welche Chancen hätten Sie dann außerdem noch?

Idealerweise stehen Sie nach diesem gefühlten Marathon vor neuen Wegen. Abschließend können Sie sich noch folgende Fragen stellen: In welcher „Options-Station“ haben Sie sich am wohlsten gefühlt? Zu welcher der Möglichkeiten tendieren Sie gerade? Welchen Preis würden Sie dafür zahlen? Mit welcher Option werden Sie sich in fünf Jahren am wohlsten fühlen? Und: welche ist nun Ihre Entscheidung?

Die Methode ist gut – sie wirkt und gleichzeitig erfordert sie Fokus, Zeit und Raum. Gemeinsam geht das reflektieren einfacher, ein Kollege oder eine Kollegin, die Sie strukturiert begleitet. Manchmal kann auch ein externer Coach mit einem geschulten Blick von außen helfen.

In diesem Sinne: gute Entscheidungen!
Ihre Silvia Haas

TIPP

Beginnen Sie mit einer „einfacheren“ Situation und formulieren diese als wäre Sie bereits Realität: „Ich bin stolzer Besitzer einer Harley Davidson.“ ;-). Beantworten Sie nun die Fragen in der Reihenfolge wie beschrieben.

Das TetraLemma
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