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Sicher kommunizieren Sie längst über verschiedenste Online-Plattformen, haben digitale Tools ausprobiert, verworfen oder beibehalten. Was aus Notwendigkeit begann, durch die Krise beschleunigt wurde und die Innovation vorantrieb, beginnt, seine Kehrseite zu zeigen: Das menschliche Miteinander, die Nähe und der vertraute Umgang bröckeln oder sind ganz auf der Strecke geblieben.

Wie ist es bei Ihnen? Waren oder sind Sie auch so begeistert von der Effizienz der Online-Meetings? Und spüren Sie ggf., dass etwas fehlt? Driftet Ihr Team auseinander, wie in so manchem Unternehmen? Stellt sich bei Ihnen und Ihren MitarbeiterInnen die Zoom-Fatigue, die Online-Müdigkeit ein? Reden Sie in Meetings weitgehend mit Profilbildern oder aufgepeppten Namenszügen anstelle der Personen? Oder gelingt es Ihnen, den Kontakt zu Ihren MitarbeiterInnen zu halten?

Wir Menschen sind soziale Wesen. Die anhaltende Isolation des inzwischen dritten Shutdowns verändert uns alle. Egal ob persönliche Eigenarten ausgeprägter werden, weil das Regulativ durch andere Menschen fehlt, oder die Einsamkeit an denen nagt, die seit langen Monaten in einer kleinen Wohnung ins Homeoffice verbannt sind – das unerfüllte Urbedürfnis nach menschlicher Nähe trägt zu einer eher negativen Grundstimmung und zur Demotivation bei.

Das steht völlig im Kontrast dazu, dass sich mit New Work das Menschenbild und die Anforderungen an Beziehungen geändert haben. Im agilen Manifest ist mit gutem Grund festgehalten, dass Individuen und Interaktionen Vorrang vor Prozessen haben. Störungen im Miteinander führen zwangsläufig zu Störungen der Prozessabläufe – jedes Projektteam kann ein Lied davon singen.

Die Beziehungskompetenz gilt deshalb als eine der wichtigsten Kompetenzen des 21. Jahrhunderts – nicht neben der Digitalkompetenz, sondern im Verbund mit ihr!

Lassen Sie Ihre MitarbeiterInnen jetzt nicht allein! Sie werden gebraucht als Beziehungs-ErmöglicherIn, Feedback-GeberIn und DialogpartnerIn. Leadership im besten Sinne. Gerade im digitalen Raum zeigt sich, wie gut Ihr Team zusammenarbeitet und zusammenhält, wie gut Sie aus der Distanz heraus führen können. Es gilt, die jetzt gelebte räumliche Distanz zu sozialisieren und die digitalen Verbindungen zwischen Menschen lebendig und spürbar zu gestalten.

Stolpersteine auf dem Weg zum guten Miteinander, auch im digitalen Raum.

Die Krise hat nachhaltig Stress ausgelöst. Angst und Einschränkungen sind allgegenwärtig, ob privat oder beruflich. Da verlieren Menschen schnell den Blick für das Gegenüber. Der Verlust von Empathie in solchen Situationen ist übrigens nachgewiesen. Möglicherweise haben Sie sich auch gegenseitig geschont, um nicht noch mehr Zündstoff in die sowieso schon belastete Zeit zu bringen. Vieles ist ungesagt geblieben und schwelt im Untergrund.

Auch eigene blinde Flecken oder eingefahrene Glaubenssätze können Sie vor einem ehrlichen Austausch zurückschrecken lassen.

Genau deshalb ist es wichtig, den Blick zu schärfen und sich besonnen klar zu werden: Wie gehen wir miteinander um – trotz räumlicher Distanz, die fälschlicherweise oft mit social distancing tituliert wird? Wie vertrauensvoll ist unsere Zusammenarbeit?

Was tun?

Fangen Sie bei sich an. Wie geht es Ihnen selbst? Wo liegen Ihre eigenen Unsicherheiten und Fragen? Erst wenn Sie wissen, wo Sie stehen, können Sie sich für Andere öffnen. Sonst vermischen sich Stimmungen ungut.

Halten Sie Kontakt zu Ihren MitarbeiterInnen. Krisenbedingt war die Führungsebene viel mit sich selbst beschäftigt. Das Team war häufig sich selbst überlassen. Nehmen Sie sich Zeit, für Jede und Jeden einzeln. Wie geht es ihr oder ihm? So als Mensch? Je ehrlicher Ihr Interesse ist, desto mehr fühlen sich Ihre MitarbeiterInnen gesehen und wertgeschätzt. Das schafft Nähe und Offenheit. Vereinbaren Sie je nach Situation 1:1 Online-Calls, greifen Sie zum Hörer, auch mal spontan.

Keine Angst vor Gefühlen. Die Krise hat verletzlich gemacht und persönliche Betroffenheit ausgelöst. Jede/r reagiert unterschiedlich. Gefühle sind nicht durch rationale Argumente außer Kraft zu setzen. Trauer, Wut und Ohnmacht wollen manchmal benannt werden. Stretchen Sie deshalb Ihr persönliches Toleranzfenster. Üben Sie sich in Respekt und Achtung voreinander mit den jeweiligen individuellen Reaktionsweisen und trainieren Sie gemeinsam eine dialogische Grundhaltung – gerade online.

Ermöglichen Sie eine Atmosphäre psychologischer Sicherheit. Alle sind gefordert, der routinierte Alltag ist aufgebrochen, Neues muss ausprobiert werden. Da passiert das, was oft als Fehler angesehen wird. Ohne gute Fehlerkultur und ohne Vertrauen wird vertuscht und verschwiegen – mit fatalen Folgen für Unternehmen wie Kunden. Sehen Sie Fehler als Lösungen für ein anderes Problem und gehen Sie kreativ damit um. Das fördert die Bereitschaft zum Austausch.

Schaffen Sie eine Kultur des Vertrauens. Wo Vertrauen gelebt wird, wird der Mensch hinter der Arbeitskraft gesehen. Die MitarbeiterInnen wissen, woran sie sind. Trauen Sie Ihren MitarbeiterInnen etwas zu, anerkennen Sie deren Leistung. Auf diesem Boden kann die notwendige Innovationskraft gedeihen.

Finden Sie eine gemeinsame Teamidentität. Die gemeinsame Ausrichtung macht das Team lern- und innovationsbereit. Der Teamspirit verbindet auch im digitalen Raum und hat tragende Kraft.

Trennen Sie Beziehungs- und Sachebene. Arbeiten Sie konzentriert und stören Sie, trotz großem Bedarf an Nähe, auch die Anderen nicht. Formulieren Sie schriftlich und schicken Sie per E-Mail, was reine Information ist. Gestalten Sie Beziehung, wo Zusammenarbeit, Absprache und Miteinander gefragt sind.

Bieten Sie Raum für soziales Miteinander. Der tägliche talk im Vorübergehen, in der Kaffeeküche oder beim Mittagessen braucht in der aktuellen Zeit zwingend eine Alternative: Ein tägliches, digitales Einstimmen auf den Tag mit Kaffee, ein lunch & meet, ein Check-in bei Meetings, bei denen die persönliche Befindlichkeit ernst genommen und nicht als Befindlichkeit abgetan wird oder walk and talks zu zweit in der Natur. Bieten Sie Tools und Kanäle, die den Austausch leicht machen – Ideen gibt es genug. Das Umsetzen ist jetzt Ihre Aufgabe.

So legen Sie los:

Sie haben gesehen – die Digitalisierung ist wie ein Brennglas für das Miteinander. Haben Sie im Vorfeld eine wertschätzende Kultur gelebt, fällt es Ihnen leichter, die Nähe auch im digitalen Raum zu erhalten. Kränkelte es bereits, bevor die online Meetings zur Normalität wurden, kommt es jetzt richtig ans Tageslicht. Da gibt es dann nur eines:

  • Seien Sie ehrlich zu sich selbst – ohne Wenn und Aber. Zeigen Sie sich selbst in Ihrer Verletzlichkeit. Sie müssen nicht alles selbst lösen.
  • Geben Sie ungewohnterweise Raum für Gefühle – sie leiten das tägliche Doing und wollen gehört werden. Ein Check-in bei Online-Meetings ist ein guter Anfang.
  • Respektieren Sie Unterschiede, finden Sie Gemeinsamkeiten.
  • Finden Sie Prinzipien und Absprachen im Team, bei denen alle mitgehen.
  • Pflegen Sie eine klare, vor allem wertschätzende Kommunikation. Vergewissern Sie sich, dass Sie jeweils vom Selben reden. Online treten vermehrt Missverständnisse auf und werden weniger angesprochen.

Ihr Nutzen!

Beziehungsqualität ist das A&O im digitalen Miteinander, Kitt und Motivator, damit MitarbeiterInnen nicht nur am Ball bleiben, sondern aktiv und neugierig lernend diese Zeit mitgestalten. Beziehung fördert die Verbundenheit und ein Gefühl der Zugehörigkeit kann entstehen.

TIPP

Bleiben Sie offen und neugierig – für die Menschen.
Interessieren Sie sich ehrlich und vorurteilsfrei.
Lassen Sie sich überraschen von Ihrem Gegenüber.

Viel Erfolg!

Ihr/e ExpertIn

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