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Unsere Welt und damit auch unsere Konflikte sind nicht erst seit Corona deutlich komplexer geworden. Lineare Fragen nach dem Ursache-Wirkungsprinzip in der Konfliktbearbeitung greifen dabei zu kurz und gehören in die Welt von gestern.

Haben Sie sich auch schon gefragt, warum sich Konfliktparteien gefühlt immer noch im Kreis drehen, der Konflikt noch nicht beseitigt ist, obwohl schon so viel versucht und diskutiert wurde? Erst recht in einer „neuen“ virtuellen Welt spielen sich dabei Dramen ab. Hier werden Konflikte sehr leicht „versteckt“, da man sich auf das Versenden und in „Cc“-setzen reduzieren und dem Konflikt damit relativ leicht „aus dem Weg“ gehen kann - Homeoffice sei Dank!?

Engagement und Kreativität leiden dann erheblich – Eigenschaften, die gerade so dringend gebraucht werden, denn schwelende Konflikte lähmen und kosten Energie.

Gleich vorweg: Systemisch hat nichts mit esoterisch zu tun!

Systemische Ansätze haben längst in den Unternehmen Einzug gehalten und sich dort etabliert. Sie können das gerne mit dem „Wasserfall-Modell“ im Projektmanagement vergleichen: Es hat nicht unbedingt ausgedient, aber seine Anwendungsfälle haben sich deutlich reduziert, da zur Lösung aktueller Aufgabenstellungen heute gänzlich andere (agile) Methoden und Kompetenzen erforderlich sind.

Für eine erfolgreiche Konfliktbearbeitung ist das gesamte Spektrum zu betrachten: Die Person, das Team, das Umfeld und deren Beziehungen sowie Ursache/Wirkung (die oft noch nicht einmal konkret benannt werden können). Dies mit linearen Fragen zu ergründen, ist ein Stochern im Heuhaufen“ und verfestigt teilweise sogar das im Problem-Verharren.

Grundsätzlich löst jede Frage an eine Person etwas in ihr aus, ist also ein wertvolles Interventionsinstrument. Wenn ich nur Fragen stelle, für deren Lösung ich einen „Hammer“ habe (linear), dann werden alle Probleme zu einem „Nagel“ und der/die Befragte bemüht sich, eine entsprechende Antwort zu finden. Gerade in Vorgesetzten Verhältnissen führt dies oft zu vorauseilendem Gehorsam, da man als MitarbeiterIn ja nicht „dumm“ dastehen möchte, was die Antwort natürlich ggf. komplett verfälscht.

Was genau ist denn nun der Unterschied?

Vereinfacht könnte man sagen: Systemische Fragen zielen auf die Ergründung von Beziehungen und nicht auf die Betrachtung einzelner Elemente. Mit systemischen Fragen nähert man sich Strukturen und Elementen, die an einem System beteiligt sind und achtet auf Beschreibungen, die von den Beteiligten geäußert werden. Dadurch kommen deren Wechselbeziehungen zum Vorschein, an denen man nun zielgerichtet und lösungsorientiert arbeiten kann.

Also die „richtigen“ Fragen stellen und sich zunutze machen, dass systemische Fragen nicht nur zur Gewinnung von Information dienen, sondern auch die Reflexion des/der Befragten anregen sollen. (Welche Fragen das genau sind und wie sie eingesetzt werden, kann hier in der Kürze leider nicht behandelt werden. Bei Interesse melden Sie sich bitte einfach beim Autor des Artikels.)

Nun zum Vorgehen:

Grundsätzlich überlegt man sich vor jeder Frage, was man mit ihr erreichen möchte: Information oder/und Reflexion? Für die/den Fragende/n ist die Haltung als „KlärungshelferIn“ (im Gegensatz zum/zur „verhörenden“ KommissarIn) hilfreich und ebenso das Bewusstsein, dass jede Frage immer auch ein „Eingriff“ (eine Intervention) ist.

Als erläuterndes Beispiel dient sehr gut die „Warum“- Frage: Die Aversion der meisten Menschen auf diese Frage rührt oft aus der Kindheit, wenn man damals zur „Rechenschaft“ gezogen wurde, die Frage nach der Schuld untersucht werden sollte und man sich zwangsläufig „schuldig“ fühlte. Fragen Sie stattdessen besser „Weshalb?“ oder „Wozu?“ und Sie erreichen damit bereits einen Perspektivwechsel und öffnen automatisch Entscheidungshorizonte und -optionen.

Fragen Sie:

  • Was war ausschlaggebend dafür, dass …?
  • Was veranlasste Sie …?

und der/die Befragte fühlt sich weniger in eine sprichwörtliche Ecke gedrängt. Dadurch transportieren Sie eine Grundhaltung, die Interesse daran hat, Hintergründe zu erfahren. Was bewegt Ihr Gegenüber dies oder jenes zu sagen oder zu tun - also die positive Absicht dahinter, die für eine Konfliktbearbeitung essenziell ist.

Als systemische Fragen gelten hypothetische, zirkuläre und skalierende Fragen. Damit vermeiden Sie die frühzeitige Zuschreibung von vermeintlichen Eigenschaften oder Charaktermerkmalen und konzentrieren sich auf die Beziehungen und Systeme. Als Königsdisziplin gilt hierbei die zirkuläre Frage. Sie zielt auf das System, das um die/den Befragte/n herum „zirkuliert“. Dadurch werden automatisch die Denk- und Sichtweisen einer anderen Person mit einbezogen und die eigenen reflektiert. Bei der Frage „Wie sieht Ihre Führungskraft das Problem?“ wird dies anschaulich.

Weithin bekannt ist beispielweise auch die sogenannte „Wunderfrage“: Wenn eine gute Fee käme … Damit wird bereits eine Wunschvorstellung adressiert und eine offene Gesprächsführung ermöglicht.

Verknüpfen Sie dann geschickt zirkuläre mit Skalierungsfragen oder hypothetischen Fragen – und Sie nähern sich dem Thema im Gesamtsystem deutlich. Auch Killerphrasen lassen sich damit relativieren: „XY macht, sagt, tut immer …“: Wirklich immer? Oder die Frage nach Bildern/Metaphern löst die Beteiligten von kognitiven (linearen) Erklärungen und offenbart meist eine weitere, emotionale Ebene, das Thema „dahinter“, das eine/n an einer Situation „an-/berührt“.

“Systemisch fragen“: So geht’s!

  • überlegen Sie sich genau, was und aus welchem Grund Sie fragen
  • stellen Sie offene Fragen
  • achten Sie auf nonverbale (Körpersprache) und paraverbale (Stimme) Signale
  • kurze, wenige und nur „Fragen“ stellen, keine Erläuterungen
  • fragen Sie in der „Ich“-Form, damit zeigen Sie Interesse
  • machen Sie Pausen zwischen den Fragen, Reflexion braucht Zeit
  • hören Sie aktiv hin

Ihr Nutzen!

Durch systemische Fragen gewinnen Sie eine Vielfalt unterschiedlicher Sichtweisen, von denen keine als allumfassende Realität besser oder schlechter betrachtet werden soll/kann. Sie lösen Reflexionsprozesse aus und die Betroffenen werden einer „Rechtfertigungs-Erklärungsnot“ enthoben. Ein besseres Verständnis unter- und miteinander für die Sichtweisen der einzelnen Parteien entsteht, was für sich genommen schon die meisten Konflikte entschärft. Und zu guter Letzt: Auch Ihre persönliche Haltung ändert sich, Sie bewerten und (ver-)urteilen weniger, was Ihrem privaten und beruflichen Umfeld zu Gute kommt.

Sie richten den Blick nach vorne, entwickeln Lösungsansätze für die Zukunft und verharren nicht in einem „Warum“ und der Ursachenanalyse zur Vergangenheitsbewältigung.

TIPP

Entwickeln Sie eine systemische Grundhaltung: Weg vom „Verhör“-Charakter hin zum „verstehen wollen“ Interesse zeigen … Werden Sie sich Ihrer eigenen Triggerpunkte bewusst (=Fragen, die Sie berühren) …Versuchen Sie hinter allem die positive Absicht zu entdecken ... bewerten und (ver-) urteilen Sie nicht …

Und probieren Sie es aus, überraschen Sie zum Beispiel mit der Frage: Welche Fragen kommen denn bei uns zu kurz, oder werden bei uns gar nicht gestellt?

Das Staunen Ihrer Umgebung ist Ihnen gewiss!

Autor: Rainer Alt

Ihr/e ExpertIn

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