Starke positive innere Bilder unterstützen uns: bei beruflichen Herausforderungen als Fach- und Führungskraft, ProjektmanagerIn ebenso wie im privaten Bereich. Sie helfen beim Stressabbau, um Ressourcen zu aktivieren und innere Stärke zu entwickeln.

Denken Sie jetzt bitte NICHT an eine lila Kuh mit weißen Punkten.

Und …? Welches Bild kam Ihnen als erstes in den Kopf? Entstand die lila Kuh sofort vor Ihrem inneren Auge? Oder haben Sie die kognitive Herausforderung geschafft und an etwas anderes gedacht?

Dieses kleine Gedankenexperiment zeigt, dass aus dem „off“ ganz schnell innere Bilder auftauchen. Es sind Vorstellungen in uns, die im Laufe unseres Lebens entstehen. Unsere Erfahrungen werden in unserem Gehirn als Verschaltungsmuster abgespeichert – ein hochkomplexer Vorgang. Ob es darum geht zu planen, Herausforderungen zu bewältigen oder auf Bedrohungen zu reagieren, wir nutzen sie täglich. Wie wir die Welt wahrnehmen, ob wir etwas schön, angenehm oder auch ekelig finden – all das wird von unseren inneren Bildern beeinflusst.

Stellen Sie sich nun Folgendes vor: Sie halten eine Zitrone in der Hand. Sie ist schön gelb und ganz saftig. Teilen Sie die Zitrone jetzt in Gedanken mit einem Messer in zwei Hälften und schneiden eine Scheibe ab. Nehmen Sie die Zitronenscheibe in die Hand und beißen ganz herzhaft in das saftige Zitronenstück hinein. Was passiert jetzt bei Ihnen? Hat sich Ihr Mund zusammen gezogen? Wurde vielleicht der Speichelfluss angeregt? Oder welche anderen Reaktionen konnten Sie feststellen?

Allein unsere Vorstellungskraft aktiviert die inneren Netzwerke in unserem Gehirn, die körperliche und emotionale Reaktionen zur Folge haben – im Positiven wie im Negativen. Ob wir davon ausgehen, dass wir Erfolg haben oder nicht, das entsteht in unserem Kopf.

Wir nehmen die Welt aus der Perspektive unserer inneren Bilder wahr und beurteilen danach. Deshalb sind sie auch für die Art und Weise, wie wir mit uns und anderen umgehen von großer Bedeutung, ebenso unsere Selbst-, Menschen- und Weltbilder. Die Nervenzellverbindungen sind ausschlaggebend dafür, wie ein Mensch denkt, fühlt und handelt. Wenn wir begreifen, wie diese Bilder entstehen und vor allem, wie wir sie verändern können, gelangen wir zu einem bewussten Steuern und Nutzen dieser Vorgänge.

Vielleicht nehmen Sie sich jetzt bewusst ein paar Minuten Zeit und reflektieren nachfolgende Fragen:

  • Welche starken inneren Bilder habe ich in mir?
  • Welche inneren Bilder unterstützen mich bei der Arbeit?
  • Welche inneren Bilder unterstützen mich privat?

Haben wir Herausforderungen erfolgreich bewältigt, dann bildet sich das in unserem Gehirn ab. Unsere Fähigkeiten und Ressourcen entstehen aus unseren Erfahrungen und sie sind beim Finden von Lösungen äußerst wertvoll. Gerald Hüther, der bekannte Neurobiologe bezeichnet das Gehirn als eine Baustelle - umgebaut wird ständig. Veränderungen in den Gehirnstrukturen brauchen zwar meist etwas Zeit, doch möglich sind sie – auch bei älteren Menschen.

Ohne Emotion keine Veränderung. Beim Umdenken kommen wir von unseren unbewussten Vorstellungen zu einem bewussten Gestalten unserer Denkprozesse. Wichtig dabei ist, dass beim Verändern die emotionalen Zentren im Gehirn angesprochen und damit Botenstoffe für die Veränderungsprozesse freigesetzt werden. Diese emotionale Aktivierung verändert das Denken und Handeln.

Ein kleiner Energie-Schub gefällig oder Träumen erlaubt
Versetzen Sie sich gedanklich in einen Tagtraum. Stellen Sie sich etwas Angenehmes vor
z. B. Bilder aus dem letzten Urlaub am Meer oder in den Bergen, Ihren Lieblingsort, eine schöne Situation.
Nutzen Sie alle Ihre Sinne. Was gibt es zu sehen und zu entdecken in Ihrem inneren Bild? Was gibt es zu hören? Wie fühlt es sich an? Vielleicht gibt es etwas zu riechen oder zu schmecken?
Genießen Sie diese kleine Auszeit, um wieder frisch an die Arbeit zu gehen.

Innere Bilder haben in ihrer Wirkung einen weiteren Aspekt. Das Gehirn bevorzugt den Zustand der Kohärenz. Dies bedeutet, dass Innen- und Außenwelt zusammen passen. Deshalb wird Ihr Gehirn Sie immer wieder dazu aktivieren, Ihre Außenwelt so zu gestalten, dass sie zu Ihren inneren Bildern passt. Stellen Sie sich Ihre nächste Vertragsverhandlung oder ein schwieriges Mitarbeitergespräch „gedanklich“ vor, wie es idealerweise verläuft - lassen Sie dazu einen inneren Film ablaufen. So wie der kleine Tagtraum die Akkus auflädt, können wir unsere inneren Zustände immer wieder positiv beeinflussen. Auch wenn es um uns herum „brodelt“.

Es gibt zahlreiche Untersuchungen, in denen Gehirnforscher genau das nachgewiesen haben. Deshalb nutzen Profisportler seit vielen Jahren Mentaltraining und die Kraft der Inneren Bilder. Es ist wie ein „Probehandeln“. Im Gehirn werden bestehende Muster aktiviert und Neue gebildet. Damit werden die neurophysiologischen Grundlagen für den Erfolg schon gelegt, bevor die Handlung real ausgeführt wird. Das erfordert regelmäßiges Training und Übung. Im Coaching nutzen wir dieses Wunderwerk des Gehirns natürlich auch. Wir bitten unsere Coachees sich das angestrebte Ziel mit allen Sinnen vorzustellen. Wie fühlt es sich an, das Ziel erreicht zu haben? Der Klient bekommt eine Vorstellung davon, wie es sein wird. Positive Gefühle werden aktiviert, die wiederum die Motivationsspirale in Gang bringen.

Ein Training der inneren visuellen Wahrnehmung aktiviert das Gehirn, so werden Ideenreichtum und Lösungskompetenz gefördert.

Beginnen Sie mit folgender Übung:

Stellen Sie sich Ihren idealen Arbeitstag vor, das ideale Wochenende, das ideale Mitarbeitergespräch und Sie werden sehen, wie Sie mit positiven Bildern Ihre Stimmung, Ihre Arbeitsleistung und die Zusammenarbeit positiv beeinflussen können.

TIPP

Was halten Sie davon, einfach mal „Löcher in die Luft“ zu starren? Untersuchungen haben gezeigt, dass hierdurch das Arbeitsgedächtnis entlastet wird und somit wieder Kapazitäten frei werden.

Oder Sie visualisieren Ihre Gedanken:

  • Schreiben oder malen Sie im Meeting Inhalte ans Flipchart oder Whiteboard: Zeichnungen, Symbole, Grafiken oder Stichworte helfen der Vorstellungskraft.
  • Um Gedanken zu sortieren, skizzieren Sie Mind-Maps.
  • Für kreative Prozesse, scribbeln Sie Ihre Ideen auf Papier.

Viel Spaß dabei!

Autorinnen: Renate Freisler & Katrin Greßer

Buchempfehlung: „Leadership-Kompetenz Selbstregulation“ aus der Leadership kompakt Reihe von managerSeminare, Autorinnen Renate Freisler und Katrin Greßer. ISBN-10: 3958910351

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