Fragen zu stellen ist selbstverständlich und sehr menschlich. Bekannterweise gibt es außer dem Menschen kein anderes Wesen auf der Erde, das Fragen stellen kann.

Der Mensch beginnt damit ganz früh und hört bis zum Ende seines Lebens nicht auf. Aber macht er das auch gut?

Stellen Sie sich einmal folgendes Szenario vor: Es existieren keine Fragen und Sie begegnen einem Menschen, mit dem Sie ein Gespräch suchen. Sie erzählen ihm von sich selbst oder von einem Thema, das Sie gerade beschäftigt. Sie setzen auch alle Ihnen bekannten sprachlichen Mittel ein: eine gepflegte und gut artikulierte Sprache, grammatikalisch korrekt gebaute und sehr verständliche Sätze, bewusst ausgewählte Worte, eine angenehme Stimme. Sie sind freundlich und lächeln. Ihre Körpersprache ist aufgeschlossen und dem Gesprächspartner zugewandt.

Dann hören Sie auf zu reden und der andere Mensch übernimmt die Rolle des Sprechers. Er erzählt und erzählt, macht ab und zu eine kurze Pause und erzählt weiter. Sie hören ihm zu. Nach einer Weile haben Sie beide erzählt …

Und? Wie zufrieden sind Sie mit dem Gesprächsverlauf, den Sie gerade gestaltet haben?

 „Das Geheimnis zu langweilen, besteht darin alles zu sagen, was man weiß.“ (Voltaire)

Um die Gegebenheit aus dem Szenario besser nachzuvollziehen, machen Sie bitte ein Experiment und spielen Sie die Situation, wie oben beschrieben, nach. Zu fragen ist selbstverständlich verboten. Erleben Sie diese Situation ganz bewusst. Danach beantworten Sie sich folgende Fragen:

  • Wie ist das Gespräch verlaufen?
  • Wie ging es Ihnen dabei?
  • Was haben Sie währenddessen gefühlt und gedacht?
  • Wie war die Begegnung mit dem anderen Menschen?
  • Wie ist es Ihnen gelungen, eine Beziehung zu ihm aufzubauen?
  • Wie ist das Gespräch, wenn keine Fragen gestellt werden?
  • Ist es überhaupt möglich gute Gespräche zu führen, ohne Fragen zu stellen?

Fragen kann jeder … oder doch nicht?

Sehr viele Menschen reden am liebsten über sich selbst. Das Zuhören ist in ihren Gesprächen gar nicht vorhanden. Dabei kann es jeden – egal in welchem Kontext – weiterbringen, wenn er möglichst viel über seinen Gegenüber oder über eine bestimmte Situation erfährt.

„Wer keine Fragen stellt, lernt nichts.”

Dank unserer natürlichen Neugier sind wir dazu veranlagt, viele Fragen zu stellen. Dadurch lernen und wachsen wir. Fragen bewegen den Menschen dazu zu verstehen, warum er etwas tut und was er überhaupt tut, wie Sachen funktionieren und worin der Sinn des Lebens besteht.

Jedes gelungene Gespräch lebt von der Sensibilität der Gesprächspartner und von den gestellten Fragen – erst mit ihrem Einsatz beginnt ein richtiges Miteinander, … ohne ist es nur ein doppelter Monolog – ein Nebeneinander ohne richtige Begegnung.

Achten Sie auf einen typischen Gesprächsverlauf zwischen zwei Menschen in einem Meeting, in einer Cafeteria oder einfach zu Hause bei einer Familienfeier und beobachten Sie:

  • Wie oft stellen sich diese Menschen Fragen?
  • Wie oft redet jeder nur von sich selbst?
  • Wie oft hört einer dem Anderen wirklich zu?

Fragen öffnen die Menschen, deswegen ist es ganz wichtig, überhaupt zu fragen. Mit Fragen gestalten wir unsere Beziehungen. Es gibt hunderte von Fragen, die gestellt werden können. Heikel oder ganz easy? Raffiniert und elegant, gewitzt oder dumm?

Durch Fragen können Sie Verschiedenes zum Ausdruck bringen, denn unterschiedliche Fragen führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Sie können z. B. das Gespräch in Gang halten und Austausch schaffen, Ihr Interesse an der Person, mit der Sie reden, oder an ihrem Thema zeigen, die Führung übernehmen oder abgeben.

Fragen sind eine Ausdrucksform einer Bewegung oder einer Veränderung und haben immer eine Wirkung. Sie können auch als Werkzeug betrachtet werden in Abhängigkeit von dem Kontext, in dem sie gestellt werden (beruflich oder privat).

TIPP

Eine fragende Haltung ist die Voraussetzung, eine sogenannte Einstellung des „Nicht-Wissens“, um Offenheit und Interesse zu signalisieren. Es gibt immer zwei Rollen: den Zuhörer und den Sprecher. Der Zuhörer unterstützt und begleitet den Sprecher in seinem Denken. In einem guten Gespräch wechseln die Rollen und es entsteht ein echter Dialog.

Bevor der Gesprächspartner das Gefühl bekommt, dass er ausgefragt wird, sollte man lieber mit den Fragen aufhören und ihm die Gelegenheit geben, selbst welche zu stellen. Das betont die Augenhöhe und eine wertschätzende Begegnung.

„Einem anderen Menschen die eigene volle Aufmerksamkeit zu schenken, ist eine der stärksten Formen der Wertschätzung, die es gibt.“ (Alexander Groth)

 Autorin: Ewa Sadowicz, Trainingsexpertin für die Menschen im Projekt

 

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